Chillwürfel. Mach mal Pause!

14. Dezember 2020

Zocken, Würfeln, Chillen – Pause!

Hör doch mal auf! Oder ganz banal, komm zum Essen! Rollende Teenageraugen sind die Folge. Pausen sind beim Gamen schwer einzuhalten und oft einfach nicht passend. Gerade wurde ein Super-Level erreicht oder das Spiel ist weit fortgeschritten. Wer jetzt pausiert, verliert. Klar könnte sich der Nachwuchs das besser einteilen, meinen die Eltern. 19:00 Uhr gibt’s ja immer Abendbrot. Pech, wer da um 18:45 Uhr noch eine neue Runde startet. Aufhören ist schwer, zumal wenn alle Reizebenen der Bedürfnisbefriedigung angedockt sind und die kognitive Kontrolle abhandengekommen ist, die bekanntermaßen im präfrontalen Kortex angesiedelt ist. Wesentliche Konditionierungsprozesse sind etwa mit 25 Jahren abgeschlossen oder verfestigt. Unsere Reizregulationen sind aber nicht nur im frühen Alter gut programmierbar. Entwickler wissen, wie sie User:innen am Rechner, an der Konsole oder an den Smartphones halten. Pausen, Selbstkontrolle und Belohnungsaufschub gehören in der Regel nicht dazu. Sie wären aber wichtig.

Pause?

Corona fesselt viele Menschen an ihre heimischen Schreibtische. Videokonferenzen reihen sich zu diskursiven Endlosschleifen. Homeoffice dünnt das soziale Miteinander aus. Viele arbeiten am Rechner, ohne aktive Pausen zu machen. Das ruiniert auch die Körper. Manche Orthopäd:innen fragen Jugendliche, die bei einer Untersuchung mit steifem und geradem Rücken vor ihnen sitzen nach ihrer „wirklichen“ Haltung. Da kommt es schon vor, das Jugendliche dann zusammensacken und mit Rundrücken in der sogenannten „Zockerhaltung“ vor ihnen sitzen. Das war schon vor Corona so, nun passiert es häufiger. Und was sagen eigentlich die Augenärzt:innen? Schließlich gehört das pausenlose „Glotzen“ auch zur körperlichen Kraftanstrengung.

Pause?

Heute schon bewegt? Außer vom Bett zum Rechner via Bad und Küche? Immerhin. Ein Psychotherapeut einer Suchtklinik für Computerspielabhängige sagte mal: wenn ein Kind oder Jugendlicher im Zimmer eine Flasche zum Urinieren nutzt und nicht mehr aktiv auf die Toilette gehe, sei der „Zug abgefahren“. So lange aber noch Freunde gesehen, Schule besucht, Freizeitsport getrieben, Nahrung zugeführt wird oder familiäre Regeln eingehalten werden, ist es mit dem Gamer:innen-Nachwuchs noch okay. Pubertät ist die Phase der Exzesse, eine Testphase. Exzessives Gamen passt dazu. „Ich geh suchten!“ – ist oft zu hören. Es wird auch wieder enden. Handeln ist angesagt, wenn diese Phase nicht aufhört, nichts mehr rundläuft.

Pause?

Wie bei vielen Dingen im Leben ist es auch in der Erziehung wichtig, eine Basis zu finden. Vertrauen. Eine gute Beziehung aufgebaut zu haben, hilft in der durchaus anstrengenden pubertären Phase, zu der auch exzessives Gamen gehören kann. Reden. Ansprechbar bleiben. Auch Grenzen setzen. Medien verteufeln? Nein. Aber ein Off-Tag, die digitale Entgiftung (digital detox) unterstützt das Erlernen eines gesunden Umganges mit Gaming. Den Router ganz offline ziehen muss nicht sein. Manchmal helfen schon kleine Angebote. Wir haben eins: den Chillwürfel.

Pause!

Das Konzept ist simpel, aber wirksam. Erdacht wurde es für Schüler:innen, die sich zu schnell und damit unachtsam durch das Medienkompetenzspiel „Junait“ gespielt haben und mal eine achtsame Pause einlegen sollten. Innehalten war angesagt und der Chillwürfel war eine grandiose analoge Lösung. Im ersten Corona-Lockdown wurde das Modell weiterentwickelt, als Pausen für alle wichtiger wurden. Ganze Schulklassen konnten wir nur noch in Videokonferenzen treffen. Da brauchten wir gut platzierte, achtsame Pausen.  Probiert es aus. Es funktioniert.

Hier findet ihr die Bastelanleitung. Ausdrucken, nachbasteln und vielleicht chilliger durchs Leben gehen. Habt ein gutes Weihnachtsfest und chillt mal!

Sabine Müller-Bunzel und Uwe Breitenborn

 

Idee: Christiane Schmidt und Sabine Müller-Bunzel (Medienkoffer)
Grafik: Nina Tschirner
Video Bastelanleitung: Elsa und Serafin Schwarz
Sprecher: Johann Albert

Fotohinweis: MWP/Brockenbach