
Podcasts, Umfragen, Spiele, Stadtausflüge, Fotosessions und vieles mehr: Zwei mehrtägige Audio-Workshops im Rahmen des Projekts „Hingehören“ liegen hinter uns. Teilnehmerinnen waren junge Frauen und Mädchen, die in der Bildungsstätte HochDrei zu Gast waren. Es ging um Themen wie Identität, Neuanfänge, Eigen- und Fremdwahrnehmung und die Frage, welche Chancen Demokratie bietet – und was daran manchmal so schwierig ist.
Interkultureller Zuschnitt und Mehrsprachigkeit als Chance
Ein zentraler medienpädagogischer Baustein war die sprachliche Vielfalt der Workshops. So wurden Audiotracks in verschiedenen Sprachen produziert, Sprecherfahrungen in verschiedenen kulturellen Kontexten gesammelt. Das fördert nicht nur Sprachbewusstsein und Empathie, sondern auch das Verständnis dafür, wie unterschiedlich Wahrnehmung und Ausdruck ausfallen können.
Selbstwirksamkeit durch Reflexion und Praxis
Medienpädagogisch stand im Mittelpunkt, dass die Teilnehmerinnen erleben konnten, wie sie mit ihrer Stimme und ihrer Präsenz Wirkung entfalten. Dazu gehörte, vieles selbst auszuprobieren und anschließend zu reflektieren. Besonders eindrücklich war für viele der Moment, die eigene Stimme im Podcast zum ersten Mal zu hören – zunächst ungewohnt oder sogar irritierend, dann aber zunehmend spannend, weil sie als Werkzeug für die Artikulation eigener Gedanken und Fragen erkennbar wurde. Auch die Fotoprojekte, Stadtausflüge und Umfragen boten Gelegenheiten, mit Eigen- und Fremdwahrnehmung zu experimentieren: Wie präsentiere ich mich, wie sehen mich andere, und wie möchte ich selbst gesehen werden?
Demokratische Teilhabe beginnt bei Stimme und Körper
Politische Teilhabe hängt nicht nur davon ab, ob man die richtigen Fakten parat hat – sie braucht auch den Mut, sich selbst zu zeigen: mit eigener Stimme, eigener Meinung, eigener Geschichte. Genau hier setzt „Hingehören“ an. Demokratie lebt davon, dass Identität sichtbar und hörbar wird – egal ob in Deutsch, Türkisch, Afghanisch oder mit Akzent, egal ob laut, leise, klar oder brüchig. Dass Stimmen Platz haben, auch wenn sie ungewohnt klingen. Dass Körper und Präsenz nicht zuerst bewertet, sondern als Ausdruck ernst genommen werden.
Herausforderungen und Lernräume
Natürlich lief nicht alles glatt. Für manche Teilnehmerinnen war es eine echte Herausforderung, sich auf neue Sprachrollen einzulassen, die eigene Stimme im Kopfhörer zu hören oder Rückmeldungen aus einer fremden Perspektive anzunehmen. Selbst eine Umfrage zu machen kostet auch Überwindung. Traue ich mich? Wie spreche ich Leute an? Genau diese Stolpersteine gehören zu einem medienpädagogischen Lernraum – und machen ihn wertvoll. Denn in solchen Momenten beginnt die eigentliche Reflexion: Wie sehe ich mich selbst, und wie sehen mich andere? Welche Zuschreibungen, Stereotype und Erwartungen wirken im Hintergrund? Und vor allem: Wie finde ich meinen eigenen Platz in diesem Spannungsfeld?

„Hingehören“ als medienpädagogische Praxis
Das Projekt zeigt, wie ein gelungenes medienpädagogisches Setting aussehen kann: Kreative Medienarbeit – von Podcasts über Fotos bis zu Interviews und Umfragen – wird hier zum Werkzeug, das Zugänge eröffnet, Ausdrucksmöglichkeiten schafft und Lust auf Beteiligung macht. Entscheidend ist dabei der geschützte Raum, den die Bildungsstätte HochDrei bietet: ein Umfeld, in dem Jugendliche frei ausprobieren und ihre eigene Erfahrungen einbringen dürfen. Interkulturalität und Mehrsprachigkeit erweitern die Perspektiven und machen sichtbar, dass Demokratie Vielfalt braucht und von unterschiedlichen Stimmen lebt. Die Verknüpfung von Körper, Stimme und Medien sorgt dafür, dass Teilhabe nicht abstrakt bleibt, sondern unmittelbar erfahrbar wird. Und schließlich greifen Reflexion und Selbstwirksamkeit ineinander: Wer selbst gestaltet, Feedback bekommt und Wirkung spürt, begreift ganz praktisch, dass er oder sie etwas bewegen kann – für sich selbst und im größeren gesellschaftlichen Kontext.
Ausblick und Dank
Für uns als Team der Medienwerkstatt sind diese Workshops wertvolle Erfahrungen: mit Jugendlichen in einem intensiven Setting zu arbeiten, zu sehen, wie Medienarbeit wirken kann, wie Identitätsarbeit und demokratische Bildung sich gegenseitig befruchten. Ganz herzlichen Dank auch an das umsichtige und bestens vorbereitete Team von HochDrei sowie alle Beteiligten.
Im Oktober starten wir schon mit den nächsten Workshops in unserer Kooperation mit HochDrei e.V., gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Wir freuen uns darauf.
